Wenn Bürokratie echte Nachhaltigkeit erstickt
Zu Beginn erst einmal einige Worte zum Beitrag. Diesen habe ich mit Unterstützung der KI Euria des Schweizer Webanbieters Infomaniak erstellt. Euria hat meinen Schreibstil aufgrund bisheriger Beiträge adaptiert und hat auf Nachfrage die Einzigartigkeit des Beitrages bestätigt. Alle Daten habe ich anschließend verifiziert. Hier geht es zu den Nachhaltigkeitsberichten von Infomaniak.
Was ist EmpCo und welche Auswirkungen hat sie?
Die EmpCo-Richtlinie (Empowering Consumers for the Green Transition) wird ab September 2026 das Marketing für Nachhaltigkeit in der EU grundlegend verändern. Ihr Ziel ist lobenswert: Schluss mit irreführenden „Klimaneutral“-Versprechen und vagen Öko-Labels. Doch für die Versicherungswirtschaft, und hier insbesondere für den unabhängigen Versicherungsmakler, entwickelt sich die Richtlinie zu einer existenziellen Bedrohung. Während große Konzerne die Compliance-Kosten stemmen können, droht dem kleinen Makler, der Nachhaltigkeit wirklich lebt, das Kommunikationsverbot.
Keine Chance für kleine, nachhaltige Maklerbüros?
Das kleine Maklerbüro steht im Gegensatz zum Versicherer vor einem fast unlösbaren Problem. Ein kleiner Nischenversicherer muss „nur“ die Daten seiner eigenen Produkte und Anlagestrategien nachweisen. Der Makler jedoch verkauft keine eigenen Produkte; er berät neutral und stellt Lösungen aus dem Portfolio Dutzender verschiedener Gesellschaften zusammen. Wie soll ein Ein-Mann-Betrieb oder ein kleines Maklerbüro unter der EmpCo den CO₂-Fußabdruck eines individuellen Versicherungsmixes aus Haftpflicht, Altersvorsorge und Gewerbeversicherung nachweisen? Er hat keinen Zugriff auf die internen, detaillierten Daten aller Versicherer, er kann keine eigenen Lebenszyklusanalysen (LCA) für Fremdtarife erstellen und ihm fehlt das Budget, um jede einzelne Kombination aus seinem Bestand extern zertifizieren zu lassen.
Was zu befürchten ist
Hier entsteht ein zynischer Effekt: Die EmpCo-Richtlinie könnte den Beratungsmarkt von jenen säubern, die am ehrlichsten sind. Der große Verbundmakler oder der Konzernvertreter kann auf standardisierte, hausinterne „Grün-Modelle“ verweisen, die teuer zertifiziert wurden – auch wenn diese Modelle in der Realität auch nur „Green light“ sein könnten. Der kleine, unabhängige Makler hingegen, der mühsam für jeden Kunden die nachhaltigste Lösung aus dem gesamten Markt sucht und dabei auf echte Kriterien achtet, muss schweigen. Er kann nicht mehr werben mit „nachhaltiger Beratung“ oder „klimabewusster Vorsorge“, weil er die geforderten, lückenlosen wissenschaftlichen Nachweise für diese pauschale Aussage nicht erbringen kann, ohne sich selbst zu ruinieren. Die Folge ist eine fatale Schieflage: Nachhaltigkeit wird zur Domäne derer, die sie sich leisten können zu beweisen, nicht derer, die sie praktizieren. Der Kunde verliert den Zugang zu echter, individueller Nachhaltigkeitsberatung, weil die Makler, die sie anbieten, durch die Bürokratie der EmpCo mundtot gemacht werden. Anstatt Greenwashing zu verhindern, zementiert die Richtlinie damit die Marktmacht der Großkonzerne, die sich die teuren Zertifikate als „Eintrittskarte“ zur Nachhaltigkeits-Kommunikation kaufen können.
Was es stattdessen braucht
Es braucht dringend eine pragmatische Anpassung für die Vermittler. Die Beweislast darf nicht ins Absurde geführt werden. Für Makler müssen vereinfachte Regelungen her: Etwa die Möglichkeit, sich auf die zertifizierten Aussagen der Produktgeber zu berufen, ohne diese selbst neu validieren zu müssen, oder branchenweite, kostengünstige Pool-Lösungen für den Nachweis der Beratungsqualität. Wenn die EmpCo-Richtlinie am Ende dazu führt, dass nur noch Konzernvertreter über Nachhaltigkeit sprechen dürfen, während der unabhängige Berater verstummt, wurde das Ziel der Verbraucheraufklärung ins Gegenteil verkehrt. Echte, unabhängige Nachhaltigkeitsberatung darf nicht an der Bürokratie scheitern.
meint zumindest Ihr
René Russell
P.s.: Wir werden auch weiterhin mit den Begriffen nachhaltig und grün unsere Beratung anbieten, weil wir das Thema leben. Im Privatem wie im Beruflichem achten wir nicht nur auf Nachhaltigkeit, wir können dies auch belegen. Mit Energieausweisen zum Betriebsgebäude, beruflichen und privatem Co2-Berechnungen, mit eigenem PV-Strom im Betrieb und Privat für unsere E-Mobilität und Erdwärme bzw BHKW für unsere Wärme. Und das nicht erst seit gestern. Denn wir haben Kinder und Enkel und uns ist wichtig, dass sie auch die Möglichkeit eines guten Lebens haben.